"Die Silhouette" - Filmklassiker 

Filmsynchronisation in Deutschland gibt es seit den frühen 1930er Jahren. Anfangs noch Alternative zu untertitelten Originalfassungen, setzte sich die Synchronisation schon in der frühen Nachkriegszeit als Standard für die Vermarktung ausländischer Filme im Lande durch. Etliche Schauspieler bekamen schon bald eine Feststimme. Bestimmte Genres wurden mit reichlich synchronisierten Filmen in Deutschland beliebt gemacht. Besonders der Western, der seine Hochphase in den 1950er Jahren erlebte - dem ersten Jahrzehnt, das im deutschen Filmland komplett im Zeichen der Synchronisation stand - ist ein Genre, das den Stellenwert zeitgenössischer, klassischer Synchronisationen bis heute widerspiegelt. Kein anderes Genre wurde früher und dabei derart in die Breite in deutschen Synchronstudios bearbeitet. Und mit dem gern für Helden im Sattel besetzten Heinz Engelmann manifestierte der Western sogar die erste wirklich Genre-typische Stimme der deutschen Synchronisation.

In den 1960er Jahren kennzeichneten sich Synchronisationen zunehmend auch durch eine lockerere, auch heute noch frisch und kaum veraltet wirkende Atmosphäre. In Komödien mit Doris Day oder Jerry Lewis bekamen Synchronsprecher mehr und mehr die Gelegenheit jenseits einengender Konventionen und Stereotypen auch häufiger befreit aufspielen zu können, was ihren Sympathiewert zweifelsohne nur steigerte. Aber auch verspielte Genres, wie der Agentenfilm, allen voran mit James Bond, aber auch mit vielen bewusst ähnlich gehaltenen Figuren, die ebenso wie Bond selbst nicht selten von Gert Günther Hoffmann gesprochen wurden, markierten eine lockere Gangart als zeitgemäß.

Ab Mitte der 1960er setzte Rainer Brandt dem Zeitgeist mit seinen berühmt-berüchtigten Komödien-Synchronisationen, gespickt mit hektischen und übertrieben lässigen Sprüchen, aufgesetzten Dialekten oder plötzlich stotternden Akteuren, die Krone auf. Das System, eine Handlung im Dialog auf ihr Wesentliches zu reduzieren und sie ansonsten gewissermaßen durch die Synchronisation bunt zu würzen, funktionierte mindestens ein Jahrzehnt lang hervorragend und wurde vor allem in den Filmen von Bud Spencer & Terence Hill, aber auch in vielen Werken von Louis de Funès berühmt sowie in der Serie „Die Zwei“.
Brandt bearbeitete im Zeitraum des Erfolgs seiner Methodik auch etliche an sich sehr ernsthaft gemeinte Filme durch die Synchronisation zu Komödien um, um ihnen mehr Pepp zu verleihen - im besonderen Italowestern - was bei an sich unfreiwillig komischen Werken ziemlich unterhaltsam sein kann, ansonsten aber in der Regel zu aufgesetzt wirkt.
Etliche Synchronschauspieler, die in den 60ern bereits vermehrt Akzente setzen konnten, sind auch heute noch aktiv.

Ältere Komödien oder Filme anderer beliebter Genres, wie Krimi/Thriller bzw. film noir wurden zum Teil zeitgenössisch, zu einem größeren Teil aber auch erst weit über 25 Jahre verspätet synchronisiert. U.a. auch, weil das Genre bereits seit den 1930er Jahren auflebte und Legenden wie Edward G. Robinson oder Humphrey Bogart bekannt machte. Bei entsprechenden Filmen, die in den 1960er Jahren oder später erstmals synchronisiert worden sind, kann man zwar aus heutiger Sicht sicher noch von einer klassischen Synchronisation sprechen. Als zeitgenössisch funktioniert eine Synchronisation erfahrungsgemäß aber höchstens, wenn sie etwa 10 Jahre nach dem Film entstand: Klassisch-zeitgenössische Synchronisationen spiegeln in Sprachstil, Stimmauswahl und Dialogführung verschiedene Epochen vergangener Tage wider, die sich in Intervalle, kleiner als ein Jahrzehnt, unterteilen ließen. Dementsprechend wirkt selbst eine Synchronisation aus den späten 1960ern für einen Film, der in den frühen 1950ern gedreht wurde, bereits eigen und mehr oder weniger unwirklich.


Verfasser: Ansgar Skulme